So kann der Augsburger Einzelhandel mit Amazon mithalten

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Trick 17 – 1 Problem, 7 Lösungsansätze. Diesmal mit der Frage: Wie kann der Augsburger Einzelhandel mit Amazon mithalten?

1 Problem: Der lokale Einzelhandel verzeichnet starke Umsatzeinbuße

Schon lange vor den coronabedingten Umsatzeinbußen, steht das Geschäftsmodell des Einzelhandels, wie wir es bisher kennen, vor großen Herausforderungen. Wer durch die Augsburger Annastraße läuft, könnte sogar die gewagte These aufstellen: Der Einzelhandel stirbt aus, während digitale Riesen wie Amazon immer größere Umsätze verzeichnen. Doch auch kleinere, lokale Onlineshops können nicht an diese Erfolge anknüpfen. Die Konzentration des Marktes auf wenige Marktführer ist deutlich. Wir haben in Augsburg nach 7 Lösungsansätzen für den Augsburger Einzelhandel gesucht.

1. Lösungsansatz

Anahit Chachatryan, amore augsburg

Anahit Chachatryan

Gründerin & CEO
Amore Augsburg

Nutze erprobte Marketing-Strategien von Amazon & Co.

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Was macht Amazon anders als der regionale Einzelhandel? Richtig, sie setzen auf Vollprofis im digitalen Marketing. Das Geheimnis für ihren Erfolg: Conversion-Funnelbuilding mit unter anderem Content- und Affiliate- Marketing. Was heißt es konkret? Sie nutzen Social Media- und Webseiten mit unterhaltsamen Inhalten oder schließen Verträge mit bereits bestehenden Plattformen ab und platzieren dort ihre Produkte. Simpel, kostengünstig und unglaublich effektiv.

Zwei bekannte Beispiele sind die Facebook-Seiten des Londoner Medienunternehmens Online Media Solution Ltd: „Gefällt mir nicht“ mit 850.000 Followern und „Das Leben ist kein Ponyhof“ 920.000 Followern. Im Impressum ist jeweils offen dokumentiert, dass sie Teil des Partnerprogramms für Amazon und eBay sind. Die beliebteste Facebook-Affiliate-Seite ist jedoch „Atemberaubende Ideen“ mit über 1,1 Mio. Followern. Ein wahrer Meister in dieser Branche ist auch die Ströer Media Brands GmbH, die zum Beispiel mit „desired“ und „Mein Herz schlägt schwarz, rot, gold“ die großen Online-Händler unterstützen.

Welche Strategie steckt genau dahinter? Klickt jemand auf Gefällt mir oder folgt diesen Seiten, passiert erstmal wenig; höchstens, dass der Nutzer mit den Produkten sympathisiert, weil sie einen auf einer emotionalen Ebene ansprechen. Klickt jemand allerdings auf einen geposteten Link zu Amazon, registriert das dort eingerichtete Facebook-Pixel diesen Seitenzugriff und dann kann Amazon über Facebook, Instagram sowie deren Partner-Webseiten gezielt Werbung für dich für das Produkt schalten und lässt dich nicht mehr in Ruhe, bis du das angesehene Produkt gekauft hast. Lokale Webseiten wie amore augsburg, die auf Content-Marketing setzen und das gleiche Geschäftsmodell verfolgen, können diese Rolle auf lokaler Ebene übernehmen.

2. Lösungsansatz

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Conny Steuerwald

CEO und Inhaberin
Raum 208

Setze Auf Emotionen durch digitales Marketing

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Kunden wissen, dass sie bei Amazon auf jeden Fall das bekommen wonach sie suchen. Wenn der/die Einzelhändler/in es schafft bei ihrer Zielgruppe einen Bedarf zu wecken, bevor es Amazon tut, haben sie eine Chance gegen die Riesen. Das schaffen kleine Läden zum Beispiel über digitale Kanäle wie Instagram oder Facebook. In Verbindung mit einem Onlineshop kann so auch der einkaufsmuffligste Nutzer abgeholt werden. Ganz klar ist, dass neben dem Preis immer noch die Emotion und ein gutes Empfehlungsmarketing bei der Kaufentscheidung eine wesentliche Rolle spielen. Einzelhändler sollten also mit emotionalen und einladenden Bildern arbeiten, um den Nutzer aufzufordern ihren Laden um die Ecke lieber zu besuchen als beim unpersönlichen Riesen einzukaufen. Denn der Vorteil des Einzelhandels ist in jedem Fall, die regionale Nähe und die beratende Servicedienstleistung. 

3. Lösungsansatz

Thomas Horak, Userbrain

Thomas Horak

Gründer und CEO Userbrain

Online-shop ist nicht gleich Online-Shop

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Amazon entfernt die “luxeröse” Menschlichkeit zugunsten der Bequemlichkeit. Im Einzelhandel habe ich aber echte Menschen, deren Rat ich vertrauen kann und, die auf mich individuell mit emotionaler Intelligenz eingehen können. Die digitalen Lösungen vom lokalen Einzelhandel müssen das außerordentlich Menschliche wiederspiegeln. Das beginnt beim Design: Natürlich sind die schönsten Bilder, eine starke Marke und richtige (knappe) Kommunikation wichtig. Aber vor allem muss die Informationsarchitektur im Onlineshop so durchdacht sein, dass ich so einfach wie im Geschäft an mein Ziel gerate und auf dem Weg neues entdecken kann. Dog and Living ist ein tolles Beispiel. Dort fühle ich mich im Online Shop genauso herzlich aufgenommen wie im Laden und die Entdeckung neuer Dinge ist spielerisch. 

Vor allem ist es aber wichtig, zu sehen wie man Kunden das Leben noch genussvoller machen kann – wie kann das Verhältnis über die vier Wände hinaus existieren? Da sind durchdachte und innovative Funktionen wichtig. Bei unserem Startup Unapp, haben wir die Buchunssysteme für Hair-Stylisten und Yoga Studios in New York maßgeblich vereinfacht und Loyalitätsprogramme entwickelt. 

Oder dem Kunden den Alltag durch Abonnements erleichtern. Ich würde sofort ein Abo mit Blumen Iwan beginnen, in welchem ich monatlich einen Strauß für meine Frau abholen kann. Dazu eine App oder Website, bei der ich gewisse Anpassungen machen kann, wie Auswahl von ein paar Sträußen, ein Datum und Abholzeit bestimmen. Dazu ein kleiner Reminder, damit ich es nicht vergesse einzuplanen. Alle sind happy und es gibt stabile wiederkehrende Einnahmen.

4. Lösungsansatz

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Cornelia Böhm

Strategisches Innenstadtmanagement
Augsburg Marketing

Lernt uns einfach kennen

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Wenn Du fragst, was es bringt Augsburg Marketing und unsere Aktionen kennenzulernen, dann ist unsere Vielfältigkeit sicherlich einer der Gründe, warum sich ein Kennenlernen in jedem Fall lohnt. Unsere Events wie Sommernächte, Turamichele, Light Nights, Augsburg Open und PMIY kennen viele bereits und nehmen hier auch die unterschiedlichen Werbemöglichkeiten wahr.

Im Moment sind wir mit unseren Boden-Aufklebern überall in der Stadt vertreten und haben damit eine einfache, unbürokratische Lösung für viele Händler und Gastronomen angeboten. Eine unserer Herzensangelegenheiten ist unser Stadtportal augsburg-city.de. Hier findet der Bürger und Besucher spannende Artikel immer passend zur Jahreszeit, Storys über bekannte Augsburger und viele, viele Einkaufstipps. Händlern und Gastronomen bieten wir damit eine ansprechende Präsenzmöglichkeit vom kostenlosen Listing bis hin zum präsenten Onlineauftritt mit persönlichem Video.

Die Onlinelistings (wer hat offen, wer liefert, was gibt es sonst für Angebote….) zu Corona-Zeiten waren sehr beliebt und jetzt starten wir in den Augsburger Stadtsommer mit verschiedensten Angeboten und Ideen für einen chilligen Sommer in unserer Stadt. Wir hoffen im Herbst auch endlich unsere Augsburger Stadtspaziergänge starten zu können: Stadtführungen, die sich darauf konzentrieren Menschen und Geschichten kennenzulernen, die die Stadtgesellschaft und den Handel prägen.

Seit 10 Monaten unterstützen wir außerdem das Boxbote Shop&Drop Projekt für Einkaufen in der Stadt mit kostenloser Lieferung nach Hause. Und der Augsburg-City-Gutschein ist seit langen Jahren ein Erfolg und und und … Wer mehr wissen möchte: Wir freuen uns immer über neue Kontakte und hören gerne von euch.

5. Lösungsansatz

Boxbote Gründer, Raimund Seibold

Raimund Seibold

Gründer und Geschäftsführer Boxbote

Ein cleveres Werkzeug für den Einzelhandel

Wer die Entstehungsgeschichte von Amazon kennt, der weiß, dass der Amazon-Gründer Jeff Bezos den Kundenservice über alles andere stellt. Um sich gegen Amazon profilieren zu können, muss der regionale Einzelhandel eine ähnliche Strategie fahren. Das bedeutet, der Händler muss seine USPs erkennen und als Wettbewerbsvorteil nutzen.

Parallel muss er als Händler versuchen, die Vorteile der Online-Riesen zu erkennen und teilweise auch zu akzeptieren. Ein stationärer Händler wird niemals das größte Sortiment und/oder den besten Preis haben. Aber, er kann zum Beispiel die Bedürfnisse seiner Kunden perfekt analysieren und durch seine räumliche Nähe wesentlich schneller ein Bedürfnis befriedigen. Wir von Boxbote haben uns exakt darauf spezialisiert, die Vorteile der On- und Offline-Welt zu vereinen und dem stationären Einzelhandel somit ein cleveres Werkzeug im Kampf gegen die Online-Riesen an die Hand zu geben. 

6. Lösungsansatz

Burak Küçük

Burak Küçük

Gründer und Geschäftsführer Heaters

Die Marke ist das Produkt

Schon im Studium konnte ich all den Marketingvorlesungen eines entnehmen: Die Marke ist das Produkt. Dank unseres upcoming Labels HEATERS hat sich diese Feststellung noch weiter verfestigt. Eine Marke langfristig erfolgreich aufzubauen ist sehr mühsam und gilt wahrscheinlich als die Königsdisziplin des Marketings. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es den nachhaltigsten Weg darstellt, die eigene Brand als Produkt zu sehen. Wie viele andere Hersteller designen, produzieren und verkaufen wir T-Shirts, Hoodies, Accessoires usw. Unsere Produkte sind somit für sich alleine gesehen leicht austauschbar. Unsere Marke jedoch nicht. Wenn Kunden nach T-Shirts bei Google oder Amazon suchen, werden sie uns nie finden. Googleln sie jedoch nach unserer Marke “Heaters”, dann sind wir sofort sichtbar. 
 
Sichtbarkeit geht bei unserem Geschäftsmodell auch mit Exklusivität einher, deshalb sind wir nicht bei Amazon gelistet. Anfragen von Amazon oder TK Maxx klangen zwar immer sehr lukrativ, hätten der Exklusivität jedoch langfristig geschadet. Kurzfristig verdient man eventuell mehr Geld, aber trägt direkt zur Konzentration des Marktes auf wenige große Unternehmen bei und bringt sich selbst in Abhängigkeit.
Zwar haben wir uns mit HEATERS grundsätzlich auf den Direktvertrieb über unseren Online-Shop festgelegt, aber versuchen dennoch stationär erreichbar zu sein. Bisher sind wir in Frankfurt, Düsseldorf und bald in Wien gestockt. Einen eigenen Flagship Store haben wir aufgrund der viel zu hohen Mieten in vermeintlich guten Lagen bisher stets vermieden. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern, außer die Eigentümer ändern ihre Sichtweise auf die Dinge und gehen mit der Zeit.
 
Big Player wie Amazon werden über kurz oder lang auch die Mieten für Einzelhandelsflächen nach unten drücken. Man muss heute nur durch die Karolinenstraße laufen, um zu erkennen, dass hier einiges schiefläuft. Lösungsansätze für die vielen Leerstände existieren bereits. Mit der Zwischenzeit in der Annastraße haben wir gezeigt, dass Leerstände auch gemeinschaftlich bespielt werden können. Die Einzelhändler und Startups sollten aber nicht darauf warten, dass ihnen geholfen wird, sondern gemeinsam neue Konzepte wie Pop-Up-Stores oder die Zwischenzeit selbst initiieren.
 

 

7. Lösungsansatz

Anahit Chachatryan, amore augsburg

Anahit Chachatryan

Gründerin & CEO
Amore Augsburg

Kooperation statt Konkurrenz

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Bei all dem lokalen Konkurrenzwahn scheinen manche Einzelhändler zu vergessen, dass es überhaupt keine Konkurrenz auf lokaler Ebene gibt, nur auf der Makroebene mit großen Online-Händlern wie Amazon. Ein Beispiel: Wenn ich mir neue Schuhe kaufe, dann bestelle ich sie nicht Online. Ich möchte die Schuhe anprobieren und vor dem Spiegel sehen, wie sie aussehen. Finde ich nicht das passende Produkt in dem einen Laden, will ich nicht zwei Kilometer laufen, um den nächsten Schuhladen zu erreichen, weil ich meistens keine Zeit dafür habe.

Wenn Einzelhändler also auf Agglomerations-, Lokalisations- und Urbanisationsvorteile setzen, dann profitieren nicht nur sie selbst langfristig von den Effekten, sondern die gesamte Stadtregion. Mit gemeinsamen Projekten können sie einzigartige, erlebnisorientierte Momente schaffen. Durch den regelmäßigen Austausch mit anderen Händlern können Fehler vermieden und Best Practice Beispiele nachgeahmt werden. Kontakte zu guten und bezahlbaren Agenturen für SEO/SEA, Social Media Marketing, Online-Shops etc. können weitergegeben werden. Und Wissen schafft Vorsprung! Warum nicht gemeinsame Fortbildungsseminare organisieren und Fachleute einladen, die einen wirklich weiterhelfen?

Ich glaube, das ist der einzige Weg, wie der lokale Einzelhandel langfristig überleben kann. Zusammenraufen, nicht auf Hilfe von außen setzen und gemeinsam neue Lösungen initiieren.

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