AERA TIRET: Band-Gründer Dominik Scherer bei “auxgefragt”

AERA TIRET: Augsburger Live-DJ-Setup erobern die deutschen Elektrocharts

Der Moment zwischen zwei Phasen, der verbindet und zugleich Freiraum schafft, um Neues zu kreieren: AERA TIRET. Die Augsburger Live-Electro Band beweist wieder einmal, dass die Kreativszene der Fuggerstadt mit den Hochburgen Deutschlands mithalten kann. Seit Anfang 2019 produzieren die passionierten Musiker:innen chartverdächtige Elektro-Songs, die mit dem Bekannten spielen und gekonnt mit dem Unbekannten verbinden – Überraschungsmomente inklusive. Mit der inzwischen dritten Singleauskopplung “Montpellier” ist AREA TIRET im Mai dieses Jahres der Hattrick in den Charts gelungen. Ein Grund mehr, Dominik Scherer, Initiator von AERA TIRET und Gründer der Musikschule beathof, auxzufragen.

1. Was verbindest Du mit augsburg?

Augsburg ist für uns alle erstmal Heimat. Ich habe in Berlin studiert und wollte eigentlich erstmal dort bleiben. Aber es hat mich schon während meines Studiums immer wieder nach Hause gezogen. In Augsburg habe ich unendlich viel Musik gemacht und viele Bands geleitet. Als ich dann 2018 den Augsburger Medienpreis für meine Schlagzeug-Videoproduktionen an außergewöhnlichen Orten – wie zum Beispiel unter Wasser, im Supermarkt oder auch in einem Weltkriegsbunker – erhielt, hat mich das in meiner Entscheidung, zurück nach Augsburg zu ziehen, bestätigt. Augsburg ist für mich Wohlfühlort und Inspirationsquelle zugleich. Hier habe ich auch den ersten Song für AERA TIRET geschrieben. Bezeichnenderweise heißt er “Augsburg”.

2. Was bedeutet Musik für dich?

Musik ist meine Art, meinen Gedanken, Gefühlen und Ideen einen Ausdruck zu verleihen. Musik versteht eigentlich ein Jeder – natürlich auf ganz individuelle Weise. Dabei kann man sich überlegen, ob man sich drauf einlassen mag oder nicht. Mit Musik zu kommunizieren, ist für mich eine der schönsten Dinge, die man sich vorstellen kann. Ich hatte beispielsweise einmal mit einem Autisten zu tun. Wir fanden erst keinen Weg miteinander zu kommunizieren, bis wir uns schließlich ans Schlagzeug gesetzt haben und jeder seine Geschichte „erzählt“ hat. Wir haben uns dann 20 Minuten durchgehend ganz wunderbar unterhalten.

3. Wie kam es zu AERA TIRET? Und wer steckt dahinter?

Ich wollte schon seit meinem Studium in einer Live-Elektro Band spielen, mit der ich meine musikalischen Ideen verwirklichen und auch die etwas extravagante Verknüpfung von Musik und Kunst zusammenbringen kann. Wieder in meiner Heimatstadt Augsburg angekommen, habe ich mich dann im Januar 2019 dazu entschlossen, ein Live-DJ-Setup ins Leben zu rufen. Die Idee für AERA TIRET war geboren. Ich habe sehr lange nach passenden Musiker:innen gesucht, was letztendlich gar nicht so einfach war. Die Bandmitglieder sollten ihre Instrumente auf außergewöhnliche Weise spielen, aber auch zusätzliche Fähigkeiten haben, um die Band autark gestalten und vorantreiben zu können. Mit Julia Hornung (Bass), Silvan Lackerschmid (Gitarre), Johannes Kandels (Soundengineer), Dina Wiedemann (Dramaturgie) und mir (Schlagzeug & Trompete) ist AREA TIRET nun komplett.

© Mario Seidel

4. Wofür steht “Aera tiret”?

AERA TIRET bedient sich der elektronischen Musik. Allerdings wird bei uns alles 100% live mit echten Instrumenten gespielt. Wir möchten unserem Publikum aber nicht nur auf der rein auditiven Ebene etwas Besonderes bieten, sondern alle Sinne ansprechen. Unsere Musik und unsere Konzerte sollen bewusst Raum und Platz für neue Gedanken schaffen – und zugleich verschiedene Elemente verbinden. Dieser Ansatz steckt im übrigen schon im Bandnamen. Denn “Tiret” ist der Fachbegriff für den Gedankenstrich, der ja die Aufgabe hat, zwei Sätze oder Gedanken miteinander zu verbinden und gleichzeitig Raum für neue Ideen schafft. Daher haben wir im Winter vergangenen Jahres auch Dina Wiedemann dazu geholt, die als Dramaturgin am Theater Regensburg unsere visuellen Showelemente nochmal ganz anders und viel hochwertiger umsetzen kann.


© Mario Seidel
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5. Inwiefern Haben sich die Corona-Beschränkungen auf eure Arbeit ausgewirkt? Und wie habt ihr eure Fans trotzdem erreichen können?

Als Live-DJ-Setup ist die Interaktion mit unserem Publikum ja elementarer Bestandteil unserer Kunstform. Daher waren die Corona-Beschränkungen für uns natürlich erst einmal ein Schock, weil unsere lang angestrebte Sommertournee abgesagt werden musste. Aber wir nutzen die neu gewonnene “Freizeit”, um unser 5D-Live Konzept weiter zu verfeinern. Dabei handelt es sich gewissermaßen um ein Programm, bei dem unser Publikum eine nie dagewesene Mixtur aus musikalischen und optischen Überraschungen erleben wird. Es wird also viel um Sinneswahrnehmung und deren Täuschung gehen. Wir bereiten gerade die Visuals hierfür vor und nutzen die Zeit natürlich auch, um neue Songs zu komponieren und zu produzieren.

Nachdem wir derzeit nicht live spielen dürfen, haben wir uns außerdem überlegt, wie wir unsere Musik trotz räumlicher Distanz näher an unsere Fans bringen können. Aber auch, wie wir die räumliche Darstellung unserer Musik noch besser abbilden können. Entstanden ist ein 3D-Konzept, das den Zuhörer:innen über Kopfhörer suggeriert, die Musik ‘fliege’ quasi um sie herum. Unsere neuen Tracks haben wir dann auch direkt in 3D produziert. So können wir den Effekt noch krasser umsetzen. Bis wir wieder live spielen können, nutzen wir alle vorhandenen Kanäle, um unsere Musik zu unseren Fans nach Hause zu bringen – ohne, dass unser Live-Ansatz darunter leidet.

6. was ist das besondere an dem song “Montpellier”? Und wie war der Moment, als der Song released wurde?

Unsere dritte Singleauskopplung “Montpellier” steht für eine Reihe von Premieren: Sie ist der erste Song, bei dem wir den 3D-Audio-Effekt schon während der Produktion umgesetzt haben. Da wir derzeit nicht live spielen dürfen, haben wir zudem ein Musikvideo produziert, das unseren 5D-Erlebnisansatz mit dem 3D-Audio-Effekt kombiniert. Die künstlerische Idee zum Video stammt aus der Feder unseres 5. Bandmitglieds Dina Wiedemann, die erstmals die dramaturgische Leitung eines unserer Videos übernommen hat. Als weiteres Novum in der AERA TIRET Bandgeschichte haben wir beim Videodreh mit der großartigen Tänzerin Kathrin Knöpfle zusammenarbeiten dürfen. Und nicht zuletzt hatten wir mit “Montpellier” die Chance, den Hattrick in den deutschen iTunes Electronic Charts zu erreichen.

Der Moment des Release war Wahnsinn. Wir saßen alle nachts vor dem Laptop und waren via Skype verbunden. Zunächst haben wir die Charts und die ersten Releases des Tages aufmerksam beobachtet. Allerdings haben wir uns dann verratscht und die Seite eine Weile nicht aktualisiert. Irgendwann meinte unser Soundengineer Jo dann, er sei fix und fertig und gehe schlafen, aber wir sollten doch noch kurz einen Blick auf die Top 3 werfen. Er hatte die Seite vorher schon aktualisiert ohne uns was zu sagen – und wusste also schon, dass wir den Hattrick geschafft haben.

Die darauffolgenden Tage waren unbeschreiblich für uns, weil wir so viel positives Feedback bekommen haben, viele Presseartikel über uns und die neue Single veröffentlicht wurden und auch das Musikvideo sehr gut bei unseren Fans ankam. Das spornt uns noch mehr an, jetzt einen drauf zu legen.


© Mario Seidel
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7. Wie bringst du die deine Musikschule beathof und die Band unter einen Hut?

Zum Glück habe ich meine Familie – im Falle von Beathof meinen Bruder – an meiner Seite. Ohne ihn könnte ich das nicht stemmen. Wir sind ein super eingespieltes Team und agieren gemeinsam super schnell, rational, aber auch leidenschaftlich. Selbst nach sehr langen Tagen mit viel Hektik und großer Anstrengung fühlt es sich nicht wirklich nach Arbeit an.

Bei AERA TIRET habe ich ganz bewusst meine Familie gewählt und bin froh um jede:n Einzelne:n mit seinen und ihren Fähigkeiten und der ganz besonderen Nähe zueinander. Das ist wirklich einzigartig und gibt mir jeden Tag die Kraft und den Mut, weiter an unseren Zielen zu arbeiten!

8. Mit welchen drei Musikern – egal ob tot oder lebendig – würdest du gerne mal eine Party feiern?

  1. Antonin Dvorak: für mich nach wie vor einer der inspirierendsten Komponisten
  2. Marilyn Manson: ich glaube, das der ordentlich was zu erzählen hat
  3. Björk: auch wenn das dann vielleicht gar keine Party wird

9. Was können wir 2020 von euch erwarten?

Wir wissen zwar nicht ganz genau, was das Jahr 2020 noch alles für uns bereiten halten wird. Aber eines ist klar: Es wird viel Musik von uns geben. Wir haben aktuell 12 Singles in der Pipeline. Eine davon werden wir mit Verena-Maria Fitz, 1. Violinistin an der Münchener Staatsoper, aufnehmen. Der Song geht stark in die wuchtig-konzertante Richtung. Dazu wollen wir auch wieder den 3D-Audio-Effekt nutzen und vielleicht sogar ein 3D-Video dazu produzieren.

Außerdem bereiten wir aktuell den Videodreh für unsere nächste Single “Helsinki” vor. Das wird der pure Sommer mit ein wenig Wehmut kombiniert. Wir sind durch den Erfolg von “Montpellier” hoch motiviert und arbeiten schon an neuen Ideen, wie wir unser Sound- und Visual-Konzept weiterentwickeln können – auch unabhängig von den Corona-Beschränkungen.


© Mario Seidel
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Fotos: © Mario Seidel & Robert Hagstotz

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