Thomas Bachmann – Gründer der Augsburger SWING-Tanzschule “Hep CAT CLUB”

Thomas Bachmann Hep Cat Club

Tanzschule Augsburg – Thomas Michael Andreas Bachmann ist ein Tänzer, Choreograph und Tanzlehrer aus Augsburg im Bereich Boogie-Woogie, Swing, Lindy Hop und West Coast Swing. 2012 gründet er die Tanzschule “Hep Cat Club” und erweckt mit seinem 25-köpfigen Team ein Lebensgefühl von damals wieder. Denn hinter dem Namen der Tanzschule steckt ein Stück Augsburger Geschichte: So hieß früher eine alte Rock‘n‘Roll Kneipe, in der vor allem amerikanische Soldaten gerne ihre Abende verbrachten und auch mal das Tanzbein schwangen. Wir durften den talentierten Tänzer und Augsburger Gründer “auxfragen“.

1. Was bedeutet Tanzen oder im Speziellen “Swing-Dance” für dich?

Oh, gleich einmal eine schwierige Frage vorneweg. Ich persönlich muss mich einfach bewegen, sobald ich gute Musik höre.

Musik löst etwas in meinem Körper aus, sodass ich nicht mehr ruhig sitzen kann.
Und Swing… Swing ist ein Lebensgefühl.

– Thomas Bachmann

Ich glaube, um das zu verstehen, muss verstanden werden, wo der Tanz herkommt. Swing war schon immer eine Jugendbewegung und lebte damit auch im gewissen Sinne rebellisch. Entstanden aus Tänzen von Sklaven US-Amerikas und aufgegriffen von den Flapper Girls in den 20ern, begleitet die Familie der Swing-Tänze alle großen kulturellen Wandel der USA aber auch Europas. Von der Großen Depression bis hin zum 2. Weltkrieg waren die Swing-Tänze immer schon die Tänze der Jugend und der Studenten. Das Swing-Lebensgefühl zu verstehen, ohne die Swing-Tänze und deren Geschichte zu kennen, ist wirklich schwer. Ich kann nur sagen, mich hat es von der ersten Sekunde an in den Bann gezogen. Louis Armstrong sagte einmal: “If you have to ask what jazz is, you’ll never know”.

2. TANZSCHULE AUGSBURG: Wie kam es zur Gründung des “Hep Cat Clubs“?

Ich selbst tanze, unter anderem auch Swing, seit ich 16 Jahre alt bin. Nach meiner Ausbildung und ein paar Jahren in der IT-Branche, habe ich mich dazu entschlossen noch einmal zu studieren. Innerhalb kürzester Zeit habe ich jedoch festgestellt, dass ein Bürojob nichts für mich ist. Da ich schon seit Jahren unterrichtet habe und mir das Unterrichten immer unglaublich viel Freude bereitet hat, habe ich mich dazu entschieden mit meiner damaligen Geschäftspartnerin eine Filiale in Augsburg zu eröffnen.

Anfang 2012, genauer gesagt am 1.2.2012, zogen wir als Swing and the City in unsere ersten festen Räume ein (damals noch am Königsplatz), aus denen wir dann bald heraus wuchsen und uns erweitern mussten. 2014 wurde aus der Filiale daher meine eigene Tanzschule, die seit2015 als Hep Cat Club in Augsburg bekannt geworden ist. Seit 2019 sind wir nun in unseren komplett modern ausgebauten neuen Räumen direkt am Hauptbahnhof mit über 300m². Mit meinem mittlerweile fast 25-köpfigen Team aus Festangestellten und freien Tanzlehrern leben wir täglich unsere Passion „spreading the joy of swing dancing.

3. Was ist dein “Why” – warum machst du das Ganze überhaupt?

Ich glaube das hat sich im Laufe der Jahre etwas geändert. Am Anfang war es mein Hobby, welches ich zum Beruf machte und außerdem wollte ich nie etwas tun, wo ich nicht zu 100 Prozent mit Herzblut dabei bin. Auch wenn das im Kern noch für mich stimmt, hat sich die Vision ein wenig geändert. In Swing steckt so viel Lebensgefühl, Freiheit aber auch Respekt und Achtung für den anderen. Ich glaube, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn mehr Menschen Swing-Tanz für sich erleben.

Ich glaube Tanzen ist nicht der einzige Weg, um glücklich zu sein, aber auf jeden Fall ein Weg.

– Thomas Bachmann

4. Boogie-Woogie, Lindy Hop, Balboa, Shag, Vintage JazzWest Coast SwingModern Jazz – transportiert der Hep Cat Club auch das nostalgische Lebensgefühl der 20er und 30er Jahre?

Ich würde sagen wir nehmen das Beste aus jeder Epoche. Wir zwingen aber niemanden sich zu verstellen. Ob Boogie-Woogie zu Rock’n’Roll Musik, Lindy Hop und Balboa zu klassischem Swing oder West Coast Swing zu moderner Musik – wir haben für fast jeden Musikgeschmack etwas dabei. Oft fragen mich die Menschen mit welchem Tanz sie anfangen sollen. Ich antworte dann meistens nur: „Hör dir zu jedem Tanz die dazugehörige Musik an. Da wo du nicht stillhalten kannst, das ist dein Tanz“.

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Thomas Bachmann, Hep Cat Club

5. Corona hat für alle Augsburger Unternehmen Herausforderungen mit sich gebracht: hohe Umsatzverluste, Raummangel etc. Hast du auch positive Effekte auf euch wahrgenommen?

Als Tanzschule und Eventlocation hat uns Corona sehr stark getroffen. Jedoch konnten wir für uns auch drei positive Entwicklungen beobachten:

  1. Wir werden noch vor Weihnachten unsere Online-Tanz-Plattform für alle starten, um wirklich allen Swing-Interessierten die Möglichkeit zu geben, Swing tanzen zu lernen. 
  2. Unser Vermietungsangebot wird für private Feiern und Hochzeiten auch weiterhin regelmäßig wahrgenommen – besonders geschätzt wird, dass wir eine abgeschlossene, private Location sind ohne viel Publikumsverkehr bei den privaten Feiern und Hochzeiten, wie das bei anderen Eventlocations zum Teil der Fall ist.
  3. Was wir für uns jetzt neu entdeckt haben, ist tatsächlich die Vermietung als Seminar- & Tagungsraum.

Da wir unsere Räumlichkeiten in drei Säle aufteilen können, bieten sich sowohl kleine Seminare als auch größere Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen in unserem Studio an. Besonders seit Anfang September werden Unternehmen mehr und mehr auf uns aufmerksam, vor allem da manche aktuell keine Veranstaltungen mit externen Teilnehmern bei sich auf dem Gelände machen wollen oder können. So hatten wir schon einige Seminare, Workshops und auch Vorträge bei uns – und viel gutes Feedback dafür bekommen wegen der besonderen Atmosphäre unserer flexiblen Räume mit Blick über den Bahnhof und loungiger Ausstattung. Das ist durchaus etwas, womit wir durch Corona etwas mehr ins Licht gerückt sind.

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6. Deine Biografie liest sich wie ein Tänzertraum: zweifacher Weltmeister, einmal Europameister, zweifacher Deutscher Meister und zweimal Gewinner des Deutschland Cups. Wie haben sich diese Erfolge auf dich ausgewirkt? 

Diese Titel kommen noch aus der Zeit als ich aktiv Boogie getanzt habe. Dadurch durfte ich sehr früh in das internationale Unterrichten hinein schnuppern. Das erste Mal, als ich nicht in meinem heimischen Verein unterrichtet habe, war dann gleich auf einem Festival in Finnland. So darf ich seit Jahren mit West Coast Swing, das ist der Tanz, in dem ich aktuell Turniere tanze, bereits unter anderem neben Europa auch USA und Japan als Trainer besuchen. Spannend war, dass wir jetzt während Corona auch via Zoom-Schaltung interkontinental unterrichtet haben. Das war eine spannende und auch echt schöne Erfahrung.

Die letzten 18 Jahre sind so unglaublich schnell vergangen, dass ich das gar nicht richtig in Worte fassen kann. Das größte Geschenk ist wirklich, dass ich die Chance erhielt, weltweit unterrichten zu dürfen und dadurch unglaublich viele spannende Menschen kennenlernen durfte und auch weiterhin darf. Die Swing-Tanz-Community ist nicht nur sehr international, sondern auch vom Alter, den politischen Ansichten und der Religion bunt gemischt. Diese bunte Mischung und die Offenheit machen unglaublich Spaß – wir lernen alle ständig voneinander, unabhängig vom Hintergrund. Man könnte sagen, dass die Community im Vergleich zu anderen “bodenständiger” ist – auf Events tanzen alle, unabhängig von Können, Erfahrung oder Alter miteinander. Durch das Tanzen kommen Menschen zusammen, die sonst nicht oder nur schwierig in Kontakt treten würden.

7. Hand aufs Herz – was war bisher dein größter beruflicher Erfolg?

Als Turniertänzer im West Coast Swing das BudaFest zu gewinnen. Dazu muss man wissen, dass es im West Coast Swing nicht wirklich eine Rangliste im Sinne von Landes-/Europa- oder Weltmeisterschaften gibt. Wenn man WCS ernsthafter betreibt begibt man sich in das Internationale Turniergeschehen. International ist der Street-Dance Gedanke noch viel mehr vorhanden. Sprich man kennt die Events und wie groß die Events sind. Und dadurch bekommen die Turniere ihre Wertigkeit.

Wenn man die Wertigkeit von Budapest in eine konventionelle Ranglisten-Denke übersetzen würde wäre das circe auf dem Niveau einer Europameisterschaft. Jedoch ist das tänzerisch für mich nicht wirklich wichtig. Durch Turniere bekommt man nur einen Benchmark, um festzustellen, ob man sich verbessert hat. Was viel wichtiger ist als zu gewinnen, ist die Anerkennung seiner „Peers“ zu erhalten – und sich auch tänzerisch weiterzuentwickeln bei den bei uns immer parallel dazu angebotenen Workshops und Trainings. 

Wer auf ein Turnier fährt, ausschließlich um zu gewinnen, hat in meinen Augen nicht wirklich verstanden, worum es geht. Ich möchte unter meinen Gleichgesinnten auf dem Parket zeigen, was ich kann und was ich in dem Moment fühle. Wenn das gefällt, schön… wenn nicht, auch ok.

8. Swing und Yoga – wie passt das zusammen?

Jeder Sport hat irgendwann eine einseitige Belastung für den Körper und Yoga sehe ich als Ausgleich, sowohl für den Körper wie auch für den Geist. Was bei Yoga als Ausgleich so ideal ist, ist die Vielseitigkeit und die vielen Gemeinsamkeiten. Im Yoga verwende ich den ganzen Körper, ich kräftige und dehne, schule meine Balance und lerne meinen Körper wahrzunehmen. Alles Dinge, die in jedem Werkzeugkoffer eines Tänzers vorhanden sein sollten. Und: Sowohl Yoga als auch die Swing Tänze sind mit der richtigen Technik für alle Altersgruppen geeignet, halten fit und machen Spaß.


9. Wie geht es weiter mit dem Hep Cat Club? Was sind deine Visionen?

Im Hep Cat Club sollen sich Menschen begegnen können. Durch die gemeinsame Leidenschaft für die Musik und das Tanzen werden Dinge wie Einkommen, Status, Markenkleidung und auch das Alter irrelevant. Das ist hier alles nicht wichtig. Dieser schöne und offene Geist, der dadurch entsteht, den wollen wir weiter teilen. Unser Ziel ist, dass Swing (Lindy Hop, Balboa, West Coast Swing etc.) in der Gesellschaft bekannter wird. Deshalb auch unser Motto: “Spreading the Joy of Swing Dancing“.


Hep Cat Club \\ Tanzschule & Eventlocation

Adresse: Viktoriastraße 3b, 86150 Augsburg
Öffnungszeiten:
Mo & Di: 17:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Mi & Do: 17:30 Uhr bis 23:30 Uhr
Fr: 17:00 Uhr bis 00:00 Uhr
So: 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Telefon: 0170 5223290
Webseite: Hep Cat Club

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