Ocha-Ocha – Wie der Gründer Christopher Gogolin mit gesunden Teesorten den Markt verändern will

Ocha Ocha GmbH - Gründer Christopher Gogolin links und CMO Denny Sachs rechts

Tee ist gleich nach Wasser das beliebteste Getränk weltweit. In Deutschland allein wurden 2019 im Durchschnitt rund 68 Liter Tee konsumiert, laut einer Studie des deutschen Tee & Kräuterverbands. Grund genug sich tiefer mit dem Kultgetränk auseinanderzusetzen, denkt sich auch Christopher Gogolin im Jahr 2017. Ein Problem fällt ihm dabei sofort auf: Viele Getränke mit übermäßig viel Zucker. Eine Alternative muss her. Die Gründungsstunde von: Ocha-Ocha. “Ocha” bedeutet auf japanisch übrigens Tee. Mit einer gesunden, zuckerfreien Rezeptur mischt Ocha-Ocha den Teemarkt auf. Doch mit der Corona-Pandemie steht das Augsburger Food-Startup plötzlich vor neuen Herausforderungen. Der Getränkemarkt bricht ein- Eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext soll nun das Überleben sichern. Wir haben Christopher Gogolin dazu in der Rubrik Grüne Neune interviewt.

1. Wie kamst du darauf das Tee-Startup Ocha-Ocha zu gründen?

Die Inspiration dazu habe ich durch meine Auslandsaufenthalte bekommen. Mich hat es fasziniert, dass beinahe jedes Land seine eigene natürliche Teekultur hat. In Argentinien ist es beispielsweise so, dass die Menschen dort den ganzen Tag über puren, herben Tee trinken. In Japan genießen ihn die Leute ebenfalls pur, aber weniger herb und komplett ungesüßt. Hingegen ist es in den USA üblich in jedem Restaurant eine Karaffe mit “unsweetened iced tea” zu bestellen. 

Zurück in Good old Germany musste ich dann feststellen: Nicht nur gibt es keine Teekultur, nein, auch das Getränkeregal ist ausschließlich mit überzuckerten Erfrischungsgetränken voller Zusatzstoffe gefüllt. Nicht mal Kindergetränke sind clean oder ungesüßt. Da wusste ich, dass ich was tun muss. 

2. Wieso ist es euch so wichtig, dass euer Tee zuckerfrei ist?

Vor einigen Jahrzehnten war es noch unüblich kalorienreiche Erfrischungsgetränke zu haben. Das hat sich erst durch die Zuckerindustrie stark geändert. Gewinnorientierte Getränkehersteller haben erkannt, dass der schnelle Dopaminkick durch Zucker dafür sorgt, dass Konsumenten Getränke schneller akzeptieren und sogar davon abhängig werden. Besonders Kinder sind einfache Ziele.

Leider haben wir dadurch im Moment einen Getränkemarkt, der völlig übersüßt ist. Der reine, pure Geschmack von Teegetränken ist völlig verloren gegangen. Trotz Diskussionen in der Gesellschaft zur Zuckersteuer, “Bio” und “Clean Eating” geht der Trend der Getränkeindustrie weiterhin in die Richtung, unsere Getränke möglichst mit Zusätzen, Aromen und Süßungsstoffen vollzupumpen. Ocha-Ocha steht als pures, ungesüßtes Erfrischungsgetränk somit nahezu allein auf dem deutschen Markt. Auch wenn unser Ansatz radikal simpel ist, ist unsere Idee disruptiv und kann die ganze Industrie zum Umdenken bewegen. 


Bild mit Verlinkung zur Startnext Crowdfunding Kampagne von Ocha-Ocha
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3. Ihr habt euch auf dem deutschen Teemarkt umgeschaut und früh erkannt, dass ihr eine Lücke füllt – Wieso denkst du, hat sich vorher noch keiner getraut?

Der Grund, warum vorher keiner auf die Idee gekommen ist komplett pure, natürliche und ungesüßte Erfrischungsgetränke auf den Markt zu bringen, ist unserer Meinung nach ein kultureller: Deutsche Getränkehersteller möchten gerne “Magier” sein. Dazu gehört es, möglichst viele Elemente zu kombinieren und sich am Ende für das geniale Ergebnis feiern zu lassen. Also werden in neuen Getränken möglichst viele Stoffe zugesetzt, um ein “einmaliges” und möglichst “kompliziertes” Ergebnis zu erreichen.  Erst durch “mehr Inhaltstoffe” bekommt ein Getränk “mehr Wert”, denken wir.

“In Japan weiß man: Kompliziert kann jeder. Simplizität ist Trumpf.”

Christopher Gogolin

Also einfach nur Grüntee machen? Nein. Das geht auf keinen Fall. Also muss da noch Zitrone rein. Und Bananensaftkonzentrat, und Brombeerblätter, und Stevia. Am Besten noch ein paar künstliche Aromen, weil es sonst nach nix schmeckt. Und noch ein paar Chemikalien, damit es konserviert. Je komplizierter, umso besser, denken wir. Doch in Japan weiß man: Kompliziert kann jeder. Simplizität ist Trumpf. Ein Grüntee wird mit jedem Stoff, den man hineingibt, nur noch schlechter. Bei puren Getränken Getränken kommt die Qualität der Rohstoffe vollkommen zur Geltung. Zusatzstoffe verschleiern oft einfach nur schlechte Qualität und einen Großteil an Zusatzstoffen bei Lebensmitteln braucht es einfach nicht. Deswegen haben wir auch die wohl kürzeste Zutatenliste im Bereich der Erfrischungsgetränke in Deutschland: Wasser + Pflanze.    

4. Was bedeutet bei euch Bio-Qualität? Wo kommen Ocha-Ocha‘s Zutaten her und wie gewährleistet ihr die Qualität?

Unsere Bio-Tees beziehen wir von etablierten Quellen, die nach gängigen Bio-Standards arbeiten. Bio an sich, ist uns ein Anliegen, weil wir auch hier so wenig wie möglich mit unnötigen Chemikalien und Stoffen in Berührung kommen wollen. Noch sind nicht alle unsere Teesorten Bio zertifiziert. Doch das liegt einfach nur daran, dass einige unserer Bauern in Asien noch keine Bio-Zulassung haben, aber eigentlich schon immer biologisch anbauen. Wir arbeiten gerade daran, auch hier komplett nachhaltig zu sein. Entsprechend sind wir sehr guter Dinge, dass wir nach und nach in der Lage sein werden, alle unsere Tees mit dem Bio Siegel ausstatten zu können.

5. Gibt es Getränkehersteller, die euch inspirieren?

Tatsächlich haben wir keine deutschen Vorbilder – Teehersteller in Japan sind unser Maß, da dort die Qualität an erster Stelle steht. Denn die meisten Getränkehersteller in Deutschland arbeiten immer noch nach dem Prinzip: “Je mehr Stoffe ich reinkippe, umso besser”. Von solchen Firmen können wir uns freilich nichts abschauen. 

6. Wie hat sich die Corona Krise auf das Ocha-Ocha ausgewirkt?

Ocha-Ocha war zum Start als Convenience Produkt gedacht. Unsere Vorbilder sind die allgegenwärtigen Getränkeautomaten in Japan, an denen man jederzeit ein pures, ungesüßtes Erfrischungsgetränk ziehen und genießen kann. Diese Sensation wollen wir nach Deutschland bringen. Leider ist durch die Coronakrise der Convenience Markt ziemlich eingebrochen. Es herrscht das Gebot des Home-Office und Leute bunkern sich verständlicherweise zuhause ein. Es kaufen immer weniger Menschen für unterwegs ein und gleichzeitig sind viele Menschen arbeitslos geworden oder mussten in Kurzarbeit. In Krisenzeiten halten Menschen ihr Geld eher bei sich, anstatt es auszugeben. 

Ein Jahr konnten wir das gut wegstecken, mit Hoffnung auf eine Besserung der Wirtschaftslage. Wir haben unsere Kostenstruktur und Arbeitsprozesse massiv optimiert und neue, sinnvolle Produktkategorien gelauncht wie zum Beispiel unsere lose Teerohware für Zuhause. Als Start-up ist man sowieso oft schon auf Kante gebürstet. Da trifft einen die Krise härter als Großkonzerne. Und Geschäftspartner und potenziell große Firmenkunden sagen uns: “Melden Sie sich doch nochmal nach der Krise”. Doch wann ist “nach der Krise”? Ein Ende ist im zweiten Coronajahr längst nicht in Sicht und die Folgeschäden sind noch unabsehbar.

7. Im Moment läuft bei euch eine Crowdfunding Kampagne, die sehr schnell Anklang gefunden hat – Kannst du uns einen Blick hinter die Kulissen geben worauf du bei der Planung geachtet hast? 

Da ich 2018 schon einmal eine erfolgreiche Kampagne gelauncht habe, die ich damals nahezu im Alleingang durchgezogen habe, wusste ich noch, wie wichtig es ist weit im Vorfeld des eigentlichen Kampagnenstarts die Werbetrommel zu rühren und möglichst früh Unterstützer ins Boot zu holen. Wochen vor dem Start, bevor die Kampagne überhaupt angelegt war auf Startnext, haben wir massiv Presse und Influencer angeschrieben. Auch unsere loyale Community haben wir sehr früh eingebunden, sodass alle schon wussten, wann genau es losgeht. Viele Unterstützer*innen haben bereits Minuten vor dem Start mit dem Mauszeiger auf der Kampagne gelauert. Nur durch diese massive Vorarbeit und die dadurch entstandene, unwirkliche Reichweite, konnten wir am ersten Tag bereits über 25% der Fundingsumme einsammeln! 

Ein anderer wichtiger Aspekt sind attraktive Dankeschöns als Gegenleistung für eine Spende. Uns war es wichtig exklusive Goodies anzubieten in der Kampagne, die es sonst nicht zu kaufen gibt und die durch Kooperationen mit coolen Firmen wie August Gin, Degree oder FLSK ermöglicht wurden. Auch die selbstgetöpferten Teetassen mit Ocha-Ocha Logo sollen einen Anreiz bieten, uns zu unterstützen – selbst wenn man uns noch gar nicht kennen sollte.


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8. Was gibt euch im Moment Kraft, um noch weiterzumachen?

In Krisenzeiten zeigt sich, wer wirklich hinter einem steht und wie sehr man selbst an die eigene Idee glaubt. Ein Start-up hochzuziehen ist riskant und in schwierigen Zeiten spürt man zum ersten Mal, was das eigentlich heißt. Deswegen bin ich froh, dass das Kernteam trotz schwieriger Lage die Firma weiterhin hochhält und wir über die Jahre eine kleine, aber sehr loyale Community aufbauen konnten, die uns nun so gut es geht stützt. Außerdem bekommen wir durch das Crowdfunding gerade viele Anfragen, von Firmen und Privatleuten, die uns ihre Hilfe anbieten. 

Niemand kann von außen sehen, dass es uns schlecht geht. Wer Hilfe braucht, muss nach Hilfe fragen. Wir haben gelernt, dass die meisten Menschen sofort bereit sind zu helfen, wenn sie nur wissen, was los ist und was sie tun können. Auch wenn die Kampagne unser letzter Strohhalm ist,  in dieser anscheinend niemals enden wollenden Krise, gibt uns das Crowdfunding gerade viel Kraft und vielleicht ein paar Möglichkeiten weiterzumachen. 

9. Wie sieht die ideale Getränkebranche in 10 Jahren aus, wenn ihr komplett entscheiden könntet?

Wenn es nach uns geht, werden sich ungesüßte und komplett pure Teegetränke komplett etablieren. Sowie Limos und Energy Drinks heutzutage die Getränkeregale dominieren, werden pure Teegetränke zur Normalität. Zudem wird es “Tee-Tankstellen” in der ganzen Stadt geben, zu der man mit seiner Ocha-Ocha Teeflasche hingehen kann und sich per App pure Tees kauft. Diese kann man vor Ort direkt mit heißem Wasser oder mit Eiswasser aufgießen. Eine Teekultur wird sich vollständig etablieren und man wird sich gute Tees in Cafés oder neu gebauten Teehäusern bestellen, genauso wie man heute Speciality-Coffees oder Ventis voll Kaffee bei Starbucks kauft. Dann hätten wir unser Ziel erreicht.

Foto-Credits: Ocha-Ocha GmbH

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