Was ist Leadership? – Lektionen vom härtesten Radrennen der Welt

Prof. Kurt Matzler

„Es sind gewaltige Strapazen“, beginnt Professor Kurt Matzler, zweifacher Gewinner des härtesten Radrennens der Welt, Race Across America. „Bei 50 Grad durch die Wüste, über die Rocky Mountains mit Pässen über 3.000 Meter, durch die elendslangen Geraden in Kansas und schließlich die giftigen Anstiege in den Appalachen. Das alles bei Tag und Nacht, Hitze und Kälte sowie Schlafentzug.“

Kurt Matzler hat mit seinem Team bereits vier Mal am Race Across America, dem längsten und härtesten Radrennen der Welt, teilgenommen. Sie haben das Rennen in ihrer Kategorie nicht nur zwei Mal gewonnen, sondern sind auch mit 6 Tagen, 14 Stunden und 4 Minuten Rekordhalter. Doch was hat diese Grenzerfahrung mit Leadership und zeitgemäßen Führungsstilen zu tun?

„Jeder von uns kann viel von solchen Extremprojekten lernen wie das Setzen großer Ziele, Konsequenz, Planung und psychologischer Techniken der Motivation, Teamführung und Disziplin“, antwortet der Professor für Betriebswirtschaft an der der Universität Innsbruck und wissenschaftlicher Leiter des Executive MBA-Programmes am MCI in Innsbruck. Er beschäftigt sich wissenschaftlich vorrangig mit den Themen Innovation, Leadership und Strategie und zieht in seinem bekannten Vortrag „Leadership-Lektionen vom härtesten Radrennen der Welt“ anschauliche Schlüsse für Führungskräfte.

Vom Chef zur Führungskraft – Was ist Leadership heute?

Digitalisierung, Automatisierung und Robotik sind Anzeichen dafür, wie rasant sich der Fortschritt in der Technologie vollzieht. Doch niemand hat gesagt, dass die Arbeitswelt dadurch einfacher wird. Im Gegenteil! Mit New Work und einem zunehmenden Generationskonflikt zwischen der Baby-Boomer- und Fridays-for-Future-Generation kommen ganz neue Herausforderungen auf uns zu – auch in der Führungsriege. Mit dem Ende der Postmoderne ist ein Wandel des Führungsstils zu beobachten.

Steve Jobs, Mark Zuckerberg und Elon Musk leiten bereits seit Jahren neue Wege ein. Führungskräfte sind schon lange nicht mehr einfach nur „Der Chef“. Die Rolle des nüchternen, analytischen Verwalters beziehungsweise das altbekannte Modell des „Führens und Folgens“ weicht der neuen Rolle des „Leaders“. Um den Unterschied zu begreifen lohnt sich ein Blick in die Geschichte.

Der Harvard-Professor John P. Kotter gilt mit seinem Buch „A Force For Change: How Leadership Differs From Management” als Bedeutungsstifter. Er sieht einen klaren Unterschied zwischen Leadership und Management. Während ein Manager die perfekte Organisation der Abläufe, planen und kontrollieren im Visier hat, sei der Leader der Visionär, der sein Team inspiriert und motiviert. So schafft Leadership Kreativität, Innovationen, Wandel und vor allem sinnvolle Ziele, für die es sich lohnt, zu arbeiten.

Lektionen vom härtesten Radrennen der Welt

Im Projektmanagement definieren wir zuerst ein Ziel. Wir entwickeln Strategien, wie wir das Ziel erreichen können und was das Team als Einzel- und Gesamtleistung dafür tun sollte. Was wir oft vernachlässigen ist die Frage: Warum? Und wofür ist das wichtig? Das Konzept des Golden Circle von Simon Sinek stellt genau diese Frage an den Anfang. Denn die Sinnfrage kann der entscheidende Motivationsfaktor sein, wenn es hart auf hart kommt auch beim härtesten Radrennen der Welt.

Das Training für das härteste Radrennen der Welt benötigt viel Planungs- und Vorbereitungszeit. „Ich bin pro Jahr circa 15.000 Kilometer auf dem Rennrad. Dazu kommen noch Krafttrainingseinheiten und viele Skitouren im Winter“, erklärt der Rekordhalter. Aber das Ganze sei eine Teamleistung. „Wir haben 14 Crew-Mitglieder, die uns während des Rennens versorgen, motivieren und unterstützen.“

Und das „Warum“? „Wenn es wirklich hart wird, dann ist das große Spendenprojekt die ausschlaggebende Motivation“, sagt Matzler. Mit den Spenden, die durch den Vortrag „Leadership-Lektionen vom härtesten Radrennen der Welt“ erzielt werden, unterstützt er das Projekt „End Polio Now“. Bis jetzt konnten durch seinen Einsatz 5 Millionen Kinder in Entwicklungsländern gegen Kinderlähmung geimpft werden.

Was ist Dein „WHY“? Wenn es wirklich hart wird, was ist dann Deine Motivation weiterzuarbeiten?

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